Mittwoch, 07 September 2022 14:07

Engel Arthur und sein Leben für den Volleyball

geschrieben von Dennis Bacher | Nordkurier
Zum Ende seiner Amtszeit durfte sich Gerhard Bastke in das Ehrenbuch seines Vereins eintragen. Foto: Dennis Bacher Zum Ende seiner Amtszeit durfte sich Gerhard Bastke in das Ehrenbuch seines Vereins eintragen. Foto: Dennis Bacher

NORDKURIER – HAFF-ZEITUNG – SAMSTAG, 03. SEPTEMBER 2022

VOLLEYBALL

Gerhard Bastke, den eigentlich niemand unter seinem richtigen Namen kennt, prägte den Volleyball-Sport in der Region wie kaum ein Zweiter. Zum 1. September musste der langjährige Abteilungsleiter des SV Einheit Ueckermünde jedoch zurücktreten – aus gesundheitlichen Gründen. Mit dem Nordkurier sprach „Arthur“ zum Abschied über sein Leben für die „geilste Sportart der Welt“.

Ueckermünde. Ueckermünde. Wenn „Arthur“ von seiner Leidenschaft spricht, dann leuchten dem „Engel“ die Augen. „Volleyball? Für mich ist das einfach die geilste Sportart der Welt!“, betont der 68-Jährige wenige Tage vor dem Ende seiner Laufzeit als Abteilungsleiter des SV Einheit Ueckermünde. „Mir war es immer wichtig, den Sport hier in der Haff-Region voranzubringen. Dafür habe ich bis zuletzt alles gegeben.“
„Arthur“, wie Gerhard Bastke schon seit seiner Schulzeit in Anlehnung an den schwarz-weißen Trickfilm-Engel aus der gleichnamigen TV-Serie genannt wird – „unter meinem richtigen Namen kennt mich eigentlich niemand“ – ist quasi Ueckermünder Volleyball-Historie auf zwei Beinen. Der 68-Jährige gilt am Stettiner Haff als einer der prägenden Protagonisten in der 65-jährigen Geschichte der Abteilung. Schon seit 55 Jahren setzt er sich als aktives Mitglied für seinen Sport ein – zunächst als Spieler, dann als Kapitän, später als Trainer und bis zuletzt als Abteilungsleiter. „Er war der Motor für den Volleyballsport in Ueckermünde“, sagt Hans-Dieter Salow, Vereinsvorsitzender des SV Einheit Ueckermünde.
Paralympisches Gold - auch dank „Arthur“
Gerhard Bastke trat der Volleyball-Abteilung im Jahr 1967 bei, und damit zehn Jahre, nachdem sie sein späterer bester Freund und Lehrmeister aus der Taufe hob: Günter Funke, Gründer und erster Volleyball-“Chef“ bei Einheit Ueckermünde, erkannte schnell, dass in dem jungen „Arthur“ ein Talent zum Trainer steckte, und schickte den damals 22-Jährigen zum Studium an die Sportschule in Werdau. „Ohne ihn hätte es meine Laufbahn niemals gegeben“, sagt Bastke. „Er war mein Lehrmeister, hat mich immer unterstützt und angetrieben.“
Zurück in Ueckermünde, wandte der Sportschulenabsolvent sein Erlerntes in der Praxis an und brachte Kindern und Jugendlichen die ersten Buchstaben des Volleyball-Abc bei. An der Seite der erfahrenen Übungsleiter Günter und Adelheid Funke (damals noch Bode), Franz Dittmer sowie Gunter Bode, der Bastkes erster Volleyball-Trainer in Ueckermünde war, lernte „Arthur“ in dieser Zeit selbst noch einiges dazu. „Es wurde dann ein Trainingszentrum gegründet, mit der Maßgabe, talentierte Sportler aus unserer Region zu den DDR-Leistungszentren zu delegieren“, erzählt Bastke. Insgesamt 37 Sportler schafften, auch dank seiner Anleitung, den Sprung in den Leistungssport, darunter die neunfache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, Marianne Buggenhagen.
1000 Zuschauer sehen „Länderspiel“ am Haff
Zwischen 1980 und der Wende machte Gerhard Bastke einen Abstecher nach Ferdinandshof. „Da es in Ueckermünde bereits ein Trainingszentrum im männlichen Bereich gegeben hatte, bekam ich den Auftrag, dort ein Zentrum für den weiblichen Bereich aufzubauen“, erzählt er. Antje Pecker, heute erfolgreiche Nachwuchstrainerin beim SV Einheit Ueckermünde, gehörte zu Bastkes ersten Spielerinnen in Ferdinandshof, die dort bis zu fünfmal in der Woche trainierten. „Heute wäre dieser Umfang kaum mehr vorstellbar“, weist Bastke auf die Veränderung seit der Wende hin.
Auch im Freizeitbereich und im Erwachsenensport wurden durch sein Mitwirken viele Aktivitäten ins Leben gerufen. So nahm regelmäßig ein Dutzend Mannschaften aus Betrieben und Institutionen an den Stadtmeisterschaften teil – die von Bastke organisiert wurden. Bei Spartakiaden und den Turnfesten in Leipzig holten die Volleyballer vom Haff viele Titel und Medaillen. Immer dabei: Gerhard Bastke, als Spieler oder Trainer. „Er hat unheimlich viel für diese Abteilung bewirkt“, sagt der heutige Vereinschef Salow. Im Jahr der Wende gelang den Ueckermündern sowohl der Pokalgewinn als auch die Landesmeisterschaft, gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Regionalliga. Auch hier führte Bastke die Mannschaft als Spielertrainer und Kapitän in die Halle.
Ihren bislang größten Höhepunkt erlebte die Volleyball-Abteilung wohl im Jahr 1992: Die Nationalmannschaft aus Sri Lanka war für ihre Deutschlandreise, auf der Suche nach Gegnern und Bastke bewarb sich spontan mit den Volleyballern vom Haff für ein Testspiel. „Überraschend bekamen wir den Zuschlag“, erinnert sich der 68-Jährige. „Über drei Tage wurden die Nationalspieler bei uns in Ueckermünde beherbergt.“ Gespielt wurde vor über 1000 Zuschauern im Stadion – und zwölf Monate später flogen die Ueckermünder zu einem 16-tägigen Gegenbesuch nach Sri Lanka. „Hier lernten wir ein wunderschönes Land mit sehr freundlichen Menschen kennen. Für mich ist das bis heute ein unvergessener Höhepunkt“, schwärmt Bastke, der noch immer engen Kontakt zu einigen Gegnern von damals hält und sogar Patenonkel dreier srilankischer Kinder ist.
Bastkes Baby wächst am Beach
Auf Initiative von Bastke, der 2004 seinen Freund und langjährigen Volleyballchef Günter Funke an der Abteilungsspitze ablöste, wurde Ende der 90er-Jahre ein Beachvolleyballturnier am Ueckermünder Strand ins Leben gerufen. Klein angefangen, mit zwei Feldern und acht Teams, entwickelte sich dieses Turnier in den folgenden Jahren zum jährlichen Höhepunkt der Sektion. Oft konnten bis zu 60 Mannschaften aus vielen Teilen des Landes ans Haffbad gelockt werden, in der Spitze waren bis zu 10 000 Gäste dabei. Wenn „Arthur“ heute von dem Turnier spricht, dann nennt er es „mein Baby, was immer gewachsen ist“.
Schwere Krankheit zwingt ihn zum Aufhören
Seit 2016 wird die größte jährliche Veranstaltung der Abteilung als Günter-Funke-Gedächtnisturnier ausgetragen. Der Gründervater des hiesigen Volleyballs verstarb ein Jahr zuvor – und Gerhard Bastke verlor mit ihm nicht nur seinen Ziehvater und Lehrmeister, sondern auch seinen besten Freund. „Ohne ihn hätte es das Turnier in dieser Form niemals geben können. Ihm zu Ehren haben wir beschlossen, diese Veranstaltung mit seinem Namen in Verbindung zu bringen.“
Im Juni 2022 erlebte das Beachvolleyballturnier bereits seine 23. Auflage und wurde anlässlich des 65-jährigen Bestehens der Volleyball-Abteilung in einem feierlichen Rahmen ausgetragen (der Nordkurier berichtete). Für Gerhard Bastke sollte die Organisation und Durchführung dieser Jubiläums-Veranstaltung die letzte Amtshandlung als Abteilungsleiter der Volleyballer gewesen sein: Seit zwei Jahren wird Bastke von einer schweren Krankheit heimgesucht, die ihn bereits damals zum Ende seiner Tätigkeit als Nachwuchstrainer und letztendlich zum Rücktritt zwang. „Die Krankheit ließ mir keine andere Möglichkeit als aufzuhören, aber der Zeitpunkt hat jetzt gepasst“, erklärt der 68-Jährige mit Verweis auf das Jubiläumsturnier. „Einen schöneren Abschied hätte ich mir nicht wünschen können.“
Bei seinem letzten Beach-turnier schenkten ihm die Mädchen der U12-Mannschaft, trainiert von Detlef Rühl und Bastkes ehemaliger Schülerin Antje Pecker, einen allerletzten Turniersieg am heimischen Strand und bestätigten damit ihre starken Leistungen aus der Vorsaison, die ihnen im April bereits den Landespokal-Ost sowie einen Monat später den Meistertitel auf Landesebene einbrachten. In der Geschichte der Volleyballer des SV Einheit Ueckermünde ist dieser Doppel-Erfolg bislang einmalig. „Ein Landestitel im weiblichen Nachwuchs gelang uns zuvor noch nie“, erzählt Gerhard Bastke, dem die Arbeit mit jungen Talenten stets am Herzen lag. „Das ist unser größter Erfolg in der Nachwuchsarbeit. Darauf haben wir lange hingearbeitet. Das ist einfach toll.“
Mitgliedschaft auf Lebenszeit
Zum 1. September übergab Gerhard Bastke nun den Staffelstab des Abteilungsleiters offiziell an seine Nachfolgerin Antje Fröhlich-Röder und trat damit in seinen wohlverdienten Ruhestand. „Ich kann mit einem Grinsen abtreten“, sagt der 68-Jährige zum Abschied. Dem Verein will er weiterhin als Mitglied treu bleiben und bei Fragen zur Verfügung stehen. Ein Leben für die „geilste Sportart der Welt“ lässt man eben nicht so einfach los.
Als langjähriger und verdienstvoller Abteilungsleiter durfte sich Bastke in das Ehrenbuch seines Vereins eintragen und trägt nun die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit. „Arthur der Engel“ wird den Volleyballern des SV Einheit Ueckermünde immer erhalten bleiben.

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