Samstag, 30 Januar 2021 02:39

Die Hoffnung stirbt zuletzt

geschrieben von Pressewart GW
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Der Eggesiner Herbstcross ist eigentlich einer von fünf Läufen der Uecker-Randow-Crossserie. Die Läufe in Jatznick, Anklam und Torgelow fallen aber aus. Es bleiben lediglich Ueckermünde und eben Eggesin. Foto: Hartmut Fründt Der Eggesiner Herbstcross ist eigentlich einer von fünf Läufen der Uecker-Randow-Crossserie. Die Läufe in Jatznick, Anklam und Torgelow fallen aber aus. Es bleiben lediglich Ueckermünde und eben Eggesin. Foto: Hartmut Fründt

NORDKURIER – HAFF-ZEITUNG – SAMSTAG, 30. JANUAR 2021

ALLGEMEIN

Das Sportjahr 2020 war ein denkwürdiges für die Region. Leider anders als gedacht. Im Herbst wirbelte das Coronavirus schonungslos über die Sportplätze, brachte Spielpläne durcheinander und sorgte für bemerkenswerte Ereignisse. Darunter eine  ungewöhnliche Pokalübergabe, das vorübergehende Ende der Trillerpfeife, eine Geldstrafe zum Wohle der Gesundheit und ein ehemaliger Bundesliga-Profi beim Corona-Test. Ein Rückblick der Monate Oktober bis Dezember.

Uecker-Randow. Beinahe ein halbes Jahr lang konnten sie kein einziges Spiel mehr absolvieren. Mitte Oktober ist es dann endlich soweit: Die Handball-Männer des HSV Greif starten in ihre Bezirksliga-Saison. Das Ergebnis ist seinerzeit zweitrangig. „Die Jungs haben einfach Bock zu spielen“, freut sich Coach Ronny Thom auf den Saisonstart. Die Freude sollte allerdings nicht lange währen.
1. bis 10. Oktober: Die Kogge kommt nicht nach Penkun
Als erster Lauf im Rahmen der Uecker-Randow-Crossserie findet Anfang Oktober der Ueckermünder Herbstcross statt. Zwar nicht wie gewohnt im Ortsteil Bellin, dafür am Waldstadion. Immerhin 118 Sportler beteiligen sich.
In der Regel herrscht bei Amateur-Fußballern in M-V große Freude, wenn sie im Landespokal gegen den großen FC Hansa Rostock antreten dürfen – und dann auch noch als Gastgeber! Für den Penkuner SV Rot-Weiß gilt das in Corona-Zeiten nicht. Aufgrund der strengen Hygieneregeln ist lange unklar, wo und wann das Spiel des Jahres stattfinden wird. Anfang Oktober teilen die Penkuner dann mit, dass die Partie nach Rostock verlegt wird. Anstoß ist an einem Freitagnachmittag. Eine begrenzte Anzahl Zuschauer ist zwar zugelassen, doch alle Werktätigen lassen grüßen.
In einem packenden Tischtennis-Derby trennen sich die Teams aus Ferdinandshof und Penkun mit einem 9:9-Unentschieden voneinander. Für den SV Grün-Weiß setzt sich damit eine bemerkenswerte Serie in der Landesliga fort. Alle vier bisherigen Partien endeten für „Ferdi“ mit dem gleichen Ergebnis.
Zu ersten Spielabsagen nach langer Zeit im „Normalmodus“ sorgt das Coronavirus Anfang Oktober in der Kreisliga. Sowohl das Duell zwischen Eintracht Krackow und dem Vierecker SV als auch eine Begegnung des SV Blankensee müssen abgesetzt werden.
Noch gänzlich unbeeindruckt von der zweiten Coronawelle zeigt sich die U14-Mannschaft des SAV Torgelow und gewinnt die Landesmeisterschaft der Vereine im Schach. Zwei Goldmedaillen gibt es für den SAV auch im Schnellschach-Einzel.
11. bis 18. Oktober: Laufserie verkommt zum Zweiteiler
Exakt 231 Tage sind seit dem letzten Heimspiel vergangen. Die Freude auf das erste Heimspiel der Saison ist beim HSV Greif Torgelow groß. Wegen eines Quarantäne-Falls im Teamumfeld muss das Spiel gegen Altentreptow aber kurzfristig abgesagt werden. Ärgerlich ist aber vor allem, was die Handballer da noch nicht wissen: Im Jahr 2020 wird kein einziges Spiel mehr stattfinden. Auch die Frauen der Greifen sagen erst ihre Partie in Pasewalk und dann alle weiteren ab. Der erste Heimspieltag der Volleyball-Männer des SV Einheit Ueckermünde wird ebenfalls kurzfristig abgesagt. Als Grund wird ein Corona-Verdachtsfall im Umfeld der Gäste aus Greifswald angegeben.
Die Auslosung des Achtelfinales im Fußball-Landespokal beschert dem Torgelower FC Greif derweil ein „Hammerlos“. Mit der TSG Neustrelitz erwischen die Greifen einen der härtesten Gegner aus dem Lostopf. Das Duell soll im November stattfinden. Bis heute warten die Greifen jedoch auf den Anpfiff. Unterdessen scheiden gleich fünf Teams aus der Region im Achtelfinale des Kreispokals aus. Lediglich der FRV Plöwen und Grün-Weiß Nadrensee erreichen die nächste Runde, wobei letztere Mannschaft leichtes Spiel hat: Gegner Fichte Greifswald tritt nicht an.
Als einer von fünf Läufen der Uecker-Randow-Crossserie soll der Eggesiner Herbstcross ausgetragen werden. Wegen des Coronavirus werden jedoch im Vorfeld der Anklamer Herbstcross, der Torgelower Crosslauf und auch der Jatznicker Waldlauf abgesagt. Somit ist die beliebte Cross-Serie schon nach dem zweiten Rennen in Eggesin beendet. Beinahe müssen die Veranstalter aber auch noch auf diesen Lauf verzichten: Bis kurz vor dem Start regnet es, dann zeigt sich endlich die Sonne.
18. bis 24. Oktober: Die Saison steht auf der Kippe, der Pokal kommt per Post
Mit einem Pokalspiel  in Rostock wollen die Ueckermünder Korbjäger in die Saison starten. Doch der Auftakt muss abgeblasen werden: Einige Rostocker befinden sich in Quarantäne. Auch der Ligastart eine Woche später fällt aus, weil es diesmal einen Coronafall im Vereinsumfeld der Ueckermünder gibt. „Die Gesundheit aller Aktiven und Angehörigen hat oberste Priorität“, sagt Ballrox-Trainer Daniel Havlitschek.
Das Spitzenspiel der Fußball-Kreisliga zwischen Spitzenreiter Einheit Strasburg und dem Tabellenvierten aus Loitz kann nicht stattfinden, weil sich fünf Strasburger in Quarantäne befinden. Auch Spiele des VfB Pommern Löcknitz, des Torgelower FC Greif II sowie des SV Rollwitz fallen aus. Es scheint fraglicher denn je, ob das Spieljahr regulär beendet werden kann.
Inzwischen stellen nicht nur die steigenden Corona-Fallzahlen in der Uecker-Randow-Region ein Problem dar, sondern auch die Einstufung Polens als Risikogebiet. Wegen der strengen Quarantäne-Verordnung können unter anderem Kreisoberliga-Spiele des SV Preußen Bergholz und des SV Grün-Weiß Nadrensee nicht mehr stattfinden, weil sich beide Mannschaften zu einem großen Teil aus polnischen Spielern zusammensetzen.
Die Verantwortlichen der Uckermark-Eishockey-Liga, in der auch die Ueckermünder Lions spielen, sagen die Saison noch vor dem ersten Spiel komplett ab. Der Landesfußballverband und der Fußballverband Vorpommern-Greifswald erklären ihre Hallensaison vorzeitig für beendet. Der Heimspieltag der Volleyball-Frauen des SV Einheit Ueckermünde muss wegen eines Coronafalls im erweiterten Mannschaftsumfeld kurzfristig abgesagt werden.
25. bis 28. Oktober: Signalton statt Trillerpfeife
Neben zahlreichen Ausfällen gibt es Ende Oktober aber vereinzelt auch noch sportliche Erfolge zu verzeichnen. Großer Jubel herrscht bei den U14-Volleyballerinnen des SV Grün-Weiß Ferdinandshof, die in Greifswald den Pokal der Volleyball-Jugend M-V gewinnen. Die Trophäe erhalten die Siegerinnen allerdings nicht wie gewohnt vor Ort, sondern auf dem Postweg: Titelverteidiger Schwerin hatte seine Teilnahme im Vorfeld abgesagt, den Pokal allerdings nicht rechtzeitig nach Greifswald gebracht.
Während die Handballerinnen aus Torgelow weiter pausieren müssen, klettern die Frauen des Pasewalker HV in der Bezirksliga auf den zweiten Tabellenplatz. Die Mannschaft ist dabei personell geschwächt, weshalb sogar Trainerin Antje Hübener ran muss. In wichtigen Spielphasen markiert sie drei Treffer.
Bei ihrem Heimturnier im Springreiten überragen die Reiter vom RSV Polzow. Eine Besonderheit trägt sich im Zwei-Sterne-Springen der Klasse M zu: Der Polzower Ulf Ebel gewinnt die Disziplin vor seiner Ehefrau Anna Ebel-Jürgens, die mit den Pferden Charletta, Corsicana und Diarano den zweiten, dritten und auch den vierten Platz belegt.
29. bis 31. Oktober: Das Spiel des Jahres kommt zum Schluss
Nachdem das Virus die Austragung der Deutschen Jugend-Meisterschaften im Schach zu Pfingsten noch verhindert hatte, kann der Ersatztermin in Hessen Ende Oktober gerade noch so über die Bühne gebracht werden. Dem Torgelower Talent Jakob Herrmann gelingt dabei Historisches: Der Zehnjährige wird Fünfter. Noch nie gab es eine bessere Platzierung für einen Denksportler des SAV bei diesem bundesweiten Wettkampf.
Bei einem Jugendliga-Turnier im Ringen nehmen kurz vor der Corona-Unterbrechung 100 Athleten an einem Wettkampf in der Torgelower Volkssporthalle teil. In der Halle sind die Vereine praktisch unter sich. Ungewöhnlich auch: Die Kampfrichter verzichten angesichts der Aerosolbildung auf die Trillerpfeife. Stattdessen wir ein Signalton per Hand ausgelöst.
Nun ist es gewiss: Wegen ansteigender Fallzahlen ruht der Amateursport auf Kreisebene mindestens für einen Monat. Der Landkreis hat den Grenzwert von 50 Infizierten pro 100 000 Einwohnern überschritten. Auch der Landessportbund schließt sich an.
Zu einem letzten Spieltag vor der Unterbrechung soll es aber noch im Landesfußball kommen. Während der Pasewalker FV die Tabellenspitze der Landesklasse erklimmt, steht der FSV Einheit Ueckermünde in der Verbandsliga vor einem Heimspiel gegen Boizenburg. Weil Vorpommern-Greifswald zum Corona-Risikogebiet erklärt wird, wollen die Gäste aber nicht nach Ueckermünde kommen und bitten um Verlegung der Partie. Der FSV stimmt zu, die Sache scheint geritzt. Der Verband besteht jedoch auf einer Durchführung des Spiel. Die Folge: Aufbau Boizenburg tritt nicht an und muss mit einer Verbandsstrafe rechnen.
Knapp 300 Fans begleiten die Fußballer aus Penkun zu ihrem (letzten) Spiel des Jahres in Rostock. In der dritten Runde des Landespokals verliert die Elf zwar mit 0:9 gegen den FC Hansa, dafür nimmt sie jede Menge schöner Erinnerungen mit nach Hause. Ein Beispiel: Zum Corona Test im Ostseestadion wird die Penkuner Mannschaft zur Freude der Kicker von Ex-Bundesliga Profi und Hansa-Sportvorstand Martin Pieckenhagen empfangen. Auch ein gemeinsames Mannschaftsfoto auf dem Rasen im Ostseestadion springt für die Penkuner raus.
1. November bis 31. Dezember: Was bleibt, ist die Hoffnung
Seit Anfang November ruht der Amateursport auf allen Ebenen. Keine Wettkämpfe mehr, keine Übungseinheiten. Die Sportler halten sich individuell fit. Hier und da hofft man, vor Weihnachten zumindest wieder mit dem Training beginnen zu können. Doch der Optimismus verfliegt schnell. Die Corona-Zahlen steigen an, der Landkreis gilt als rote Zone. Mögliche Restarts werden immer weiter nach hinten verschoben. Ende November informieren auch die letzten Sportverbände darüber, dass es in diesem Jahr keinen Sport mehr geben kann. Die Region hofft auf ein besseres Sportjahr 2021, eine Rückkehr zur Normalität. Um es mit den Worten der Fußballer vom SV Pommern Pasewalk auszudrücken, die wie so viele Vereine auf ihr traditionelles Hallenturnier verzichten mussten: „Wir hoffen, uns bei bester Gesundheit im nächsten Jahr zu sehen.“

 
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